Was ein Relaunch ist und was nicht
Ein Website-Relaunch ist der Neuaufbau einer bestehenden Website: Struktur, Inhalte, Design und Technik werden neu gedacht, während die alte Seite weiterläuft. Am Ende wird umgeschaltet, die Adresse bleibt dieselbe.
Davon zu unterscheiden sind drei kleinere Eingriffe, die oft in einen Topf geworfen werden: Das Redesign erneuert nur die Optik auf bestehender Struktur. Das Facelift tauscht Farben, Schriften oder einzelne Elemente. Und die Migration zieht die Seite technisch um, etwa auf ein neues System, ohne dass sich für Besucher etwas ändert.
Die Unterscheidung ist mehr als Wortklauberei: Sie entscheidet über Aufwand, Preis und darüber, was Sie am Ende in der Hand haben. Wer ein Redesign kauft und einen Relaunch erwartet, ist hinterher enttäuscht, und umgekehrt.
Ein Redesign ändert, wie die Website aussieht. Ein Relaunch ändert, was sie leistet.
Woran erkenne ich, dass meine Website einen Relaunch braucht?
Das deutlichste Zeichen: Die Website hat Besucher, aber es kommen keine Anfragen. Dann liegt das Problem selten an einer Stellschraube, sondern am Aufbau, und genau dort setzt ein Relaunch an. Daneben gibt es eine Handvoll Anzeichen, die sich summieren:
- Auf dem Handy ist die Seite mühsam: Texte zu klein, Knöpfe zu eng, das Formular eine Zumutung. Über die Hälfte Ihrer Besucher kommt aber genau von dort.
- Die Seite lädt spürbar langsam, und jeder Optimierungsversuch verpufft, weil das Fundament das Tempo begrenzt.
- Inhalte sind veraltet, und niemand traut sich mehr an die Pflege, weil das System dahinter fragil oder verwaist ist.
- Rechtliche Baustellen häufen sich: Datenschutz, Cookie-Einbindung, ab 2026 für viele auch die Barrierefreiheit nach BFSG.
- Ihr Unternehmen hat sich weiterentwickelt, die Website erzählt aber den Stand von vor fünf Jahren: alte Leistungen, alte Referenzen, alte Preise.
- Sie schämen sich, den Link zu verschicken, und schicken lieber ein PDF. Das ist kein weiches Kriterium, es kostet real Aufträge.
Ein einzelner Punkt davon ist meist reparierbar, ohne neu zu bauen. Treffen drei oder mehr zu, wird Reparieren erfahrungsgemäß teurer als Neubauen: Jede Einzelmaßnahme kämpft dann gegen dasselbe schwache Fundament.
Verliere ich beim Relaunch meine Google-Platzierungen?
Nein, wenn der Umzug geplant abläuft. Rankings hängen an drei Dingen: an den Adressen der einzelnen Seiten, an den Inhalten dahinter und an den Signalen, die sich über Jahre angesammelt haben. Alle drei lassen sich mitnehmen, aber keines davon zieht von allein um.
Der Kern ist eine Inventur vor dem Umbau: Welche Seiten ranken für welche Suchbegriffe, welche bringen tatsächlich Anfragen? Diese Seiten werden geschützt. Ihre Inhalte ziehen mit um und werden ausgebaut statt ersetzt, und jede alte Adresse leitet dauerhaft auf ihre Nachfolgerin weiter, per 301-Weiterleitung, einzeln und nicht pauschal auf die Startseite.
Der typische Verlauf danach: ein kurzes Zittern in den ersten Wochen, während Google die neue Struktur einliest. Dann stehen die Platzierungen meist besser da als vorher, weil dieselben Inhalte jetzt auf schnellerer, sauberer strukturierter Technik liegen.
Woran Sie einen sorgfältigen Anbieter erkennen: Er spricht das Thema Weiterleitungen von sich aus an und legt vor dem Livegang einen schriftlichen Umzugsplan vor. Wer erst auf Nachfrage darüber redet, hat es vermutlich nicht eingeplant.
Rankings gehen beim Relaunch nicht verloren, weil neu gebaut wird. Sie gehen verloren, weil niemand die alten Adressen weiterleitet.
Wie läuft ein sauberer Relaunch ab?
In sechs Schritten, und der wichtigste ist der erste, weil er alle weiteren steuert:
- Bestandsaufnahme: Was leistet die alte Seite heute? Besucherzahlen, Rankings, Anfragen, Inhalte. Daraus entsteht die Liste dessen, was bleibt, was besser wird und was wegfällt.
- Struktur und Inhalte: Erst der Aufbau, dann die Texte, dann das Design. Wer mit dem Design anfängt, baut Dekoration um Lücken herum.
- Design und Umsetzung: Die neue Seite entsteht parallel, die alte läuft ungestört weiter. Kein Kunde sieht eine Baustelle.
- Umzugsplan: Jede alte Adresse bekommt schriftlich ihre neue zugeordnet. Das ist der Teil, der Rankings rettet.
- Livegang an einem Tag: Umgeschaltet wird kontrolliert und zu einem Zeitpunkt, an dem jemand hinschaut, nicht am Freitagabend.
- Nachmessen: In den ersten Wochen werden Suchkonsole und Fehlerseiten beobachtet. Vergessene Weiterleitungen fallen jetzt auf, nicht in sechs Monaten.
Die häufigsten Fehler beim Relaunch
Fast alle teuren Relaunch-Schäden gehen auf dieselben Muster zurück. Wer sie kennt, kann sie in jedem Angebot und jedem Projektplan abfragen:
- Design zuerst, Inhalte zuletzt: Die Seite wird um Platzhalter herum gebaut, und am Ende müssen echte Texte in Formen passen, die nie für sie gedacht waren.
- Relaunch ohne Inventur: Niemand weiß, welche Seiten ranken, also wird gelöscht, was Anfragen gebracht hat.
- Alles neu schreiben, auch das, was funktioniert: Gut rankende Inhalte sind Kapital, kein Ballast.
- Adressen „aufräumen“ ohne Weiterleitungen: Jede geänderte URL ohne 301 ist ein toter Link, für Google und für jeden, der die Seite verlinkt hat.
- Nach dem Livegang nie wieder messen: Ob der Relaunch mehr Anfragen bringt, weiß nur, wer vorher und nachher dieselben Zahlen erhebt.
Was kostet ein Relaunch und wie lange dauert er?
Ein Relaunch kostet ungefähr so viel wie ein Neubau, weil er einer ist, plus die Umzugsarbeit, die Rankings und Inhalte sichert. Zur Einordnung: Bei uns beginnen Projekte bei 2.900 € netto, die meisten liegen zwischen 4.000 und 8.000 €. Entscheidend ist der Umfang: wie viele Seiten, wie viel neuer Text, welche Funktionen.
Zeitlich sind die meisten Projekte in vier bis sechs Wochen online, gerechnet ab Zusage. Das Tempo hängt danach weniger an der Technik als an Zulieferungen und Freigaben: Bilder, Fakten, Entscheidungen.
Ehrlicherweise gilt auch: Wenn Ihre Website erst zwei, drei Jahre alt ist, technisch solide läuft und nur an einer Stelle klemmt, ist ein gezielter Eingriff meist die bessere Investition als ein kompletter Neubau.
