Kapitel · 7 Abschnitte
Kapitel 01
Ist Webdesign nur das Aussehen einer Website?
Nein. Das Aussehen ist der sichtbare Teil, aber Webdesign umfasst vier Dinge, die zusammen entstehen: die Struktur der Seite, die Inhalte darin, die Gestaltung und die Technik darunter. Fällt einer der vier Teile aus, sieht man es am Ergebnis, auch wenn die Seite hübsch ist.
Der Beweis steht auf jeder zweiten Firmenwebsite: ordentlich gestaltet, saubere Bilder, und trotzdem versteht niemand in den ersten Sekunden, was der Betrieb eigentlich anbietet und für wen. Das ist kein Geschmacksproblem. Das ist ein Strukturproblem.
Webdesign heißt deshalb vor allem: entscheiden. Was gehört auf die Seite und was nicht. In welcher Reihenfolge liest jemand das. Womit fängt der Text an. Wo steht der nächste Schritt. Farben und Schriften kommen danach, und sie sind der kleinere Teil der Arbeit.
Kapitel 02
Was ist der Unterschied zwischen Webdesign und Webentwicklung?
Webdesign entscheidet, wie eine Website aufgebaut ist und wirkt. Webentwicklung baut sie so, dass sie funktioniert. Design plant, Entwicklung setzt um, und in guten Projekten reden beide von der ersten Skizze an miteinander.
Zwei Begriffe tauchen dabei ständig auf. UX-Design meint das Verhalten der Seite: Führung, Reihenfolge, Formulare, also die Frage, ob jemand ans Ziel kommt. UI-Design meint die sichtbare Oberfläche: Typografie, Farbe, Abstände, Zustände von Knöpfen. In kleinen und mittleren Projekten macht das dieselbe Person, in großen Teams sind es getrennte Rollen.
Getrennt wird es dort riskant, wo die Übergabe stattfindet: Der eine liefert ein Bild, der andere macht daraus eine Seite. Das geht gut, solange das Bild technisch überhaupt umsetzbar ist. Sonst entstehen genau die Kompromisse, die man später sieht. Ein Effekt, der auf dem Handy hakt. Ein Layout, das jeden längeren Text zerreißt.
Für dich als Auftraggeber ist die praktische Frage eine andere: Wer ist zuständig, wenn Gestaltung und Umsetzung nicht zusammenpassen? Bei getrennten Gewerken sind das zwei Ansprechpartner, die aufeinander zeigen. Liegt beides in einer Hand, ist es einer.
Kapitel 03
Woraus besteht eine gute Website?
Aus vier Bausteinen. Und die Reihenfolge, in der man sie angeht, entscheidet über das Ergebnis: erst Struktur, dann Inhalte, dann Gestaltung, dann Technik.
- Struktur und Führung: Welche Seiten gibt es, was steht auf welcher, und in welcher Reihenfolge liest jemand das? Hier entscheidet sich, ob ein Besucher in Sekunden versteht, was du tust und ob er richtig ist.
- Texte: Sie tragen die Seite. Sie beantworten die Fragen, die ein Kunde ohnehin stellt, und sie sind das, was Google und KI-Systeme lesen. Platzhaltertexte rächen sich doppelt, weil danach das ganze Layout nicht mehr passt.
- Gestaltung: Farben, Schriften, Abstände, Bilder. Sie sind kein Schmuck, sie stellen Hierarchie her. Was wichtig ist, muss wichtig aussehen, und der Rest muss zurücktreten.
- Technik: Ladezeit, Darstellung auf dem Handy, Datenschutz, Sicherheit, Pflegbarkeit. Dein Kunde sieht davon nichts. Er merkt es nur, wenn es fehlt.
Wer mit dem Design anfängt, baut Dekoration um Lücken herum. Am Ende müssen echte Texte in Formen passen, die nie für sie gedacht waren, und dann wird so lange gekürzt, bis der Satz ins Kästchen passt statt bis er stimmt.
Deshalb ist die erste ernsthafte Frage in einem Projekt selten „Welche Farbe?“, sondern: Wen willst du erreichen, und was soll dieser Jemand am Ende tun?
Kapitel 04
Baukasten oder individuelles Webdesign?
Ein Baukasten reicht völlig, wenn deine Website vor allem ein digitales Schild ist: wer du bist, was du tust, wie du erreichbar bist. Für eine Ferienwohnung, ein kleines Ladengeschäft oder ein Nebenprojekt ist alles andere hinausgeworfenes Geld. Ein sauber gepflegter Baukasten-Auftritt schlägt jede halbfertige Individualseite.
Individuelles Webdesign lohnt sich, sobald die Website Arbeit übernehmen soll: Anfragen einsammeln und vorsortieren, in Suchergebnissen bestehen, an ein anderes System andocken, viele Leistungen sauber sortieren, mit dem Betrieb wachsen. Dann stoßen Vorlagen an drei Grenzen, und zwar immer an dieselben:
- Tempo: Baukästen laden viel Fertiges mit, das deine Seite nie braucht. Das kostet Ladezeit, und Ladezeit kostet Besucher, besonders im Mobilfunknetz.
- Struktur: Du bekommst die Wege, die die Vorlage vorgesehen hat. Dein Geschäft passt sich der Vorlage an, nicht umgekehrt.
- Eigenständigkeit: Vorlagen sind so gebaut, dass sie für möglichst viele passen. Genau deshalb sieht deine Seite aus wie die des Wettbewerbers zwei Orte weiter.
Die ehrliche Faustregel: Solange die Website informiert, tut es ein Baukasten. Sobald sie verkaufen soll, ist die Vorlage die Grenze. Und der Wechsel ist keine Einbahnstraße, viele Betriebe starten bewusst mit einer einfachen Seite und bauen erst dann individuell, wenn das Geschäft es hergibt.
Kapitel 05
Woran erkenne ich gutes Webdesign?
Nicht daran, ob es dir gefällt. Gutes Webdesign erkennt man an vier Dingen, und die lassen sich in fünf Minuten selbst prüfen: an der eigenen Seite genauso wie an den Referenzen eines Anbieters.
- Der Fünf-Sekunden-Test: Startseite öffnen, nach fünf Sekunden wieder schließen. Weißt du, was der Anbieter macht, für wen und wo? Wenn nicht, hilft auch das schönere Bild nicht.
- Der nächste Schritt: Gibt es auf jedem Bildschirm genau eine naheliegende Handlung? Wer sich zwischen sieben gleich lauten Knöpfen entscheiden muss, entscheidet sich meistens für keinen.
- Das Tempo: Ist die Seite in zwei bis drei Sekunden da, im Mobilfunknetz und nicht im Büro-WLAN? Jede weitere Sekunde kostet messbar Besucher, und zwar bevor irgendjemand dein Design bewertet hat.
- Das Handy: Über die Hälfte der Besucher kommt vom Telefon. Sind Texte lesbar, Knöpfe treffbar und Formulare ausfüllbar, ohne zu zoomen und ohne quer zu scrollen?
Zwei Dinge fehlen in dieser Liste bewusst: Animationen und Originalität. Beides ist erlaubt und beides kann eine Seite besser machen. Nur rettet keines von beiden eine Website, die die vier Fragen oben nicht besteht. Und ja: Manchmal ist die beste Designentscheidung, etwas einfach wegzulassen.
Kapitel 06
Was kostet gutes Webdesign?
Bei uns beginnen Projekte bei 2.900 € netto, die meisten liegen zwischen 6.000 und 12.000 €. Die Spanne ist deshalb so breit, weil „eine Website“ alles heißen kann: fünf Seiten für einen Handwerksbetrieb oder dreißig Seiten mit Kundenportal, Schnittstelle und zweiter Sprache.
Den Preis treiben im Wesentlichen drei Dinge: der Umfang, also wie viele Seiten und Funktionen. Die Texte, also ob sie geschrieben werden oder ob du sie lieferst. Und die Technik, also Standardformular oder Anbindung an dein System. Wer das im Gespräch klärt, kann Angebote überhaupt erst vergleichen.
Skeptisch werden solltest du bei Angeboten ohne Seitenzahl, bei Stundenkontingenten ohne beschriebenes Ergebnis und bei dem Satz, das sehe man dann im Projekt. Ein belastbares Angebot nennt Umfang und Preis schriftlich, bevor du unterschreibst.
Nach unten gibt es auch eine Grenze: Für ein paar hundert Euro bekommst du in aller Regel eine Vorlage mit deinem Logo darin. Das kann völlig in Ordnung sein, siehe den Abschnitt zum Baukasten. Es ist nur kein individuelles Webdesign, auch wenn es so heißt.
Und die Position, die in Angeboten am häufigsten fehlt: Domain, Hosting, Updates und Sicherheit laufen weiter, auch wenn die Seite fertig ist. Wer diesen Posten mit null ansetzt, hat in zwei Jahren wieder die Website, die er gerade ersetzt hat.
Kapitel 07
Wie läuft ein Webdesign-Projekt ab?
In der Regel so: Anfrage, Antwort innerhalb von 24 Stunden, dann ein schriftliches Angebot mit Festpreis. Sagst du zu, beginnt das Projekt mit einem Video-Call über dein Geschäft, nicht über Farben.
- Anfrage: Du schreibst, was du vorhast. Ein fertiges Briefing braucht es dafür nicht, offene Fragen sind normal.
- Antwort innerhalb von 24 Stunden: Ein Mensch liest mit und fragt nach, was für ein belastbares Angebot noch fehlt.
- Angebot mit Festpreis: schriftlich, mit Umfang und Leistungen.
- Startgespräch per Video: Ziele, Kunden, Wettbewerb, Fachbegriffe deiner Branche. Daraus entsteht die Struktur, und aus der Struktur alles Weitere.
- Design und Texte: Du siehst Zwischenstände und gibst frei. Freigaben laufen an einer Stelle, nicht in einem E-Mail-Verlauf mit vierzig Antworten.
- Livegang und Betreuung: umschalten, nachmessen, weiterpflegen. Hosting, Updates und Sicherheit laufen danach weiter.
Wie schnell ein Projekt online ist, hängt weniger an der Umsetzung als an Zulieferungen und Freigaben: Bilder, Fakten, Entscheidungen. Dein eigener Aufwand bleibt überschaubar, er besteht aus dem Startgespräch, ein paar Zulieferungen und zwei bis drei Freigaberunden.

Fachlich verantwortet von
Christopher Kienzl
Gründer von Kienzl Media, 14+ Jahre Erfahrung im Bereich Webdesign und Frontend. Die Ratgeber erklären die Grundlagen so, wie wir sie im Projekt selbst anwenden.
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