Kapitel · 7 Abschnitte
- 01Warum kostet ein Shop mehr als eine Website?
- 02Welche fünf Posten treiben den Preis?
- 03Warum sind die Produktdaten der größte Posten?
- 04WooCommerce oder Shopify: wie unterscheiden sich die Kosten?
- 05Welche Kosten laufen nach dem Start jeden Monat mit?
- 06Welche rechtlichen Pflichten kosten Geld?
- 07Ab wie vielen Bestellungen trägt sich ein Shop?
Kapitel 01
Warum kostet ein Shop mehr als eine Website?
Weil ein Shop kein Informationsmedium ist, sondern ein Arbeitsablauf. Bei Kienzl Media beginnt ein Website-Projekt bei 2.900 € netto, ein Shop bei 9.900 €. Der Abstand ist kein Aufschlag, sondern die Mechanik dahinter: Zum Gestalten und Texten kommt etwas, das rechnen, kassieren und verbuchen muss.
Der Unterschied lässt sich an einer Bestellung ablesen. Ein Kontaktformular schickt eine E-Mail, danach übernimmt ein Mensch. Eine Bestellung berechnet Versandkosten nach Gewicht und Land, zieht den richtigen Steuersatz, nimmt Geld über einen Zahlungsdienst an, reserviert den Artikel, schreibt eine Rechnung und wartet auf den Fall, dass die Ware zurückkommt. Jeder dieser Schritte ist eine Entscheidung, die vorher getroffen und danach getestet werden muss.
Deshalb ist die Frage „Was kostet ein Onlineshop?“ ohne Antwort auf eine zweite Frage nicht zu beantworten: Was soll der Shop vom Rest deines Betriebs übernehmen? Ein Shop, der zwanzig Artikel verkauft und Bestellungen per Mail weitergibt, ist ein anderes Produkt als einer, der an die Warenwirtschaft hängt und den Lagerstand aktuell hält. Wie sich der Preis einer Website zusammensetzt, steht im Ratgeber Was kostet eine Website?; hier geht es um die Posten, die nur beim Shop dazukommen.
Kapitel 02
Welche fünf Posten treiben den Preis?
Fünf Dinge erklären fast jeden Preisunterschied zwischen zwei Shop-Angeboten. Die Reihenfolge ist absichtlich so gewählt: Der erste Posten ist in den meisten Projekten der größte, und fast niemand rechnet ihn ein.
- **Produktdaten.** Jeder Artikel braucht Bilder, eine Beschreibung, Maße, Gewicht, Steuersatz und bei Kleidung oder Technik dazu Varianten. Bei vielen Artikeln ist das der Posten, an dem Projekte scheitern, nicht die Technik.
- **Varianten und Preislogik.** Eine Größe ist kein Problem. Größe mal Farbe mal Material ergibt drei Dutzend Einzelartikel mit eigenem Lagerstand. Dazu Staffelpreise, Netto-Preise für Geschäftskunden oder Zuschläge für Sonderanfertigungen, und jede dieser Regeln ist Entwicklung.
- **Zahlung und Versand.** Zwei Zahlungsarten sind Einrichtung. Rechnungskauf mit Bonitätsprüfung, Ratenzahlung oder Versandkosten nach Zonen und Gewicht sind Konfiguration mit Testläufen für jeden Fall, der schiefgehen kann.
- **Schnittstellen.** Die teuerste Zeile in jedem Shop-Angebot. Warenwirtschaft, Buchhaltung, Versanddienstleister oder ein Kassensystem im Laden: Jede Verbindung muss in beide Richtungen stimmen, auch wenn eine Seite gerade nicht antwortet.
- **Rechtliche Pflichten.** Widerrufsbelehrung, Preisangaben, Verpackungsregister, Barrierefreiheit. Das ist Fleißarbeit mit echten Folgen, wenn sie fehlt, und sie fällt vor dem ersten Verkauf an.
Was den Preis dagegen weniger bewegt als erwartet: die Zahl der Artikel. Zweitausend Artikel aus einer gepflegten Datei zu importieren ist eine Fleißarbeit von Stunden. Zweihundert Artikel ohne Bilder und ohne Beschreibungen sind Wochen.
Kapitel 03
Warum sind die Produktdaten der größte Posten?
Weil sie nicht aus der Agentur kommen können. Technik, Gestaltung und Texte der Rahmenseiten lassen sich beauftragen. Was ein Artikel wiegt, welche Variante lieferbar ist und welcher Steuersatz gilt, weiß nur dein Betrieb.
Rechne es einmal durch, bevor du ein Angebot vergleichst: Ein Artikel mit Foto, Beschreibung, Maßen und Varianten kostet realistisch zwanzig bis vierzig Minuten. Bei 300 Artikeln sind das zwei bis drei Arbeitswochen, die irgendwer leisten muss. Entweder dein Team, dann kostet es keine Rechnung, aber Kapazität. Oder die Agentur, dann steht es im Angebot und niemand wundert sich später über den Betrag.
Die Produktfotos sind dabei der Teil, der Projekte wirklich aufhält. Für einen Shop braucht jeder Artikel sein eigenes Motiv, in gleicher Perspektive und gleichem Licht, sonst sieht die Übersichtsseite aus wie ein Flohmarkt. Fotoshootings gehören bei uns nicht zum Projektpreis, und wir sagen vor dem Start, wie viele Motive die Seite braucht.
- Vor dem Angebot klären: Liegen die Artikeldaten in einer Datei vor, oder stehen sie in einem Katalog und in den Köpfen von zwei Kollegen?
- Vor dem Angebot klären: Gibt es Fotos in gleichmäßiger Qualität, und darfst du sie verwenden? Herstellerbilder sind oft nur mit Erlaubnis erlaubt.
- Vor dem Angebot klären: Wer schreibt die Artikelbeschreibungen, und wer gibt sie frei? Übernommene Herstellertexte stehen in jedem anderen Shop genauso und helfen bei Google nicht.
Der häufigste Rat an dieser Stelle lautet: klein anfangen. Mit dreißig Artikeln, die vollständig und gut fotografiert sind, verkauft ein Shop mehr als mit dreihundert halben. Ergänzen kannst du jederzeit, und zwar selbst.
Kapitel 04
WooCommerce oder Shopify: wie unterscheiden sich die Kosten?
Nicht im Projektpreis, sondern in der Richtung, in die das Geld fließt. Wir bauen Shops mit WooCommerce auf WordPress oder mit Shopify, und die Entscheidung ist eine Kostenfrage mit zwei verschiedenen Antworten.
- **WooCommerce.** Die Software selbst ist kostenlos. Bezahlt werden Hosting, Wartung und die Erweiterungen, die du brauchst, meist als Jahreslizenz je Funktion. Dafür gehört der Shop samt Daten dir, es gibt keine Umsatzbeteiligung, und jede Sonderlogik ist technisch möglich. Der Preis dafür: Du trägst die Verantwortung für Updates und Sicherheit, und zwar dauerhaft.
- **Shopify.** Du zahlst eine Monatsgebühr und bei Zahlungen über fremde Anbieter zusätzlich eine Gebühr je Bestellung. Dafür übernimmt Shopify Technik, Updates und Erreichbarkeit, und der Shop läuft auch über Weihnachten. Der Preis dafür: Du bewegst dich in dem, was das System vorsieht, und die laufenden Kosten wachsen mit deinem Umsatz statt mit deinem Aufwand.
Die Faustregel aus unseren Projekten: Wer vor allem verkaufen will und keine ungewöhnliche Logik braucht, fährt mit Shopify schneller und ruhiger. Wer eigene Regeln, eigene Schnittstellen oder einen Shop als Teil einer größeren Website braucht, ist mit WooCommerce auf Dauer günstiger und freier.
Eine Zahl, die vor der Entscheidung gehört: Rechne die Monatsgebühren und Gebühren je Bestellung über drei Jahre hoch und stelle sie gegen Hosting plus Lizenzen über drei Jahre. Bei kleinen Mengen gewinnt fast immer die Monatsgebühr. Ab einem gewissen Umsatz kippt die Rechnung, und zwar deutlich.
Kapitel 05
Welche Kosten laufen nach dem Start jeden Monat mit?
Ein Shop hat vier laufende Posten, und nur einer davon steht in einem Website-Angebot. Hosting und Wartung beginnen bei uns bei 39 € im Monat, der Full-Service mit Updates, Backups und einer Stunde Änderungen im Monat liegt bei 149 €. Das ist die Zeile, die jeder kennt.
Die zweite Zeile sind die Gebühren je Bestellung. Jeder Zahlungsdienst nimmt einen Prozentsatz vom Umsatz plus einen festen Betrag je Vorgang, die Sätze stehen bei allen Anbietern öffentlich in der Preisliste. Wichtig daran ist nicht die Höhe, sondern wo sie wirkt: Diese Gebühr geht von deiner Marge ab, nicht von deinem Umsatz. Bei einem Artikel mit zwei Euro Deckungsbeitrag entscheidet sie darüber, ob der Verkauf überhaupt etwas bringt.
Die dritte Zeile sind Rücksendungen. Du zahlst Versand hin, oft auch zurück, dazu Prüfen, Neuverpacken und im schlechten Fall den Wertverlust. Diese Kosten entstehen bei jedem Shop, und sie tauchen in keinem Angebot auf.
- Zahlungsgebühren je Bestellung, prozentual plus Festbetrag je Vorgang.
- Rücksendungen: Versand, Prüfung, Wiedereinlagerung, Wertverlust.
- Produktpflege: neue Artikel, Preisänderungen, ausgelaufene Modelle. Das ist Arbeitszeit bei dir, dauerhaft.
- Wenn im Shop Geld steckt, kommt Sichtbarkeit dazu. Die SEO- und GEO-Betreuung beginnt bei 449 € im Monat, Hosting und Wartung sind darin enthalten. Ein Anzeigenbudget ist davon getrennt und geht direkt an Google.
Der vierte Posten ist der unangenehmste, weil er nicht als Rechnung kommt: deine Zeit. Bestellungen bearbeiten, Rückfragen beantworten, Lagerstand korrigieren, Reklamationen klären. Wer das nicht einplant, hat nach drei Monaten einen laufenden Shop und keine Kapazität für das eigentliche Geschäft.
Kapitel 06
Welche rechtlichen Pflichten kosten Geld?
Ein Shop verkauft an Verbraucher, und damit greifen Regeln, die für eine Firmenwebsite nicht gelten. Sie kosten bei der Einrichtung Arbeit und später gar nichts, solange niemand sie übersieht.
- **Widerrufsrecht.** Verbraucher dürfen im Fernabsatz 14 Tage widerrufen. Dazu gehören eine Widerrufsbelehrung, ein Musterformular und die Frage, wer die Rücksendung zahlt. Fehlerhafte Belehrungen verlängern die Frist.
- **Preisangaben.** Der Gesamtpreis mit Mehrwertsteuer, dazu die Angabe zu Versandkosten und bei Flüssigkeiten oder Gewichtsware der Grundpreis je Liter oder Kilogramm. Bei Rabattaktionen gehört der niedrigste Preis der letzten 30 Tage dazu.
- **Verpackungsregister.** Wer Ware in Verpackungen versendet, muss sich vor der ersten Sendung im Register LUCID eintragen und die Verpackungen lizenzieren. Die Lizenzgebühr richtet sich nach Material und Menge.
- **Barrierefreiheit.** Für viele Unternehmen ist sie seit Juni 2025 Pflicht, das BFSG nimmt Verbraucherangebote im elektronischen Geschäftsverkehr ausdrücklich mit. Für Kleinstunternehmen gibt es Ausnahmen, die Grenze lohnt eine Prüfung im Einzelfall.
- **Produktbezogene Kennzeichnung.** Textilien brauchen die Materialzusammensetzung, Elektrogeräte eine Registrierung, Lebensmittel Pflichtangaben. Das hängt an deinem Sortiment, nicht am Shop.
Nichts davon ersetzt eine Rechtsberatung, und wir geben keine. Was wir tun: die Stellen im Shop bauen, an denen diese Angaben stehen müssen, und sie vor dem Start mit dir durchgehen. Der Text selbst kommt von deinem Anwalt oder aus einem gepflegten Textdienst, und beides kostet weniger als ein Verfahren.
Kapitel 07
Ab wie vielen Bestellungen trägt sich ein Shop?
Das lässt sich ausrechnen, und zwar bevor der erste Euro ausgegeben ist. Du brauchst dafür zwei Zahlen aus deinem Betrieb: was bei einer durchschnittlichen Bestellung nach Einkauf, Versand und Zahlungsgebühr übrig bleibt, und was der Shop im Monat kostet.
Die Rechnung geht so: Monatliche Kosten geteilt durch den Deckungsbeitrag je Bestellung ergibt die Zahl der Bestellungen, die du jeden Monat brauchst, damit der Betrieb des Shops bezahlt ist. Erst danach fängst du an, den Aufbau zurückzuverdienen. Wenn bei einer Bestellung acht Euro übrig bleiben und der Shop monatlich 150 € kostet, sind das rund zwanzig Bestellungen, bevor überhaupt etwas verdient ist.
Diese eine Rechnung sortiert mehr Shop-Vorhaben aus als jede Beratung. Nicht, weil sie entmutigt, sondern weil sie zeigt, wo die Schraube sitzt: nicht beim Projektpreis, sondern beim Deckungsbeitrag je Bestellung und beim Bestellwert.
- Ein höherer Bestellwert schlägt mehr Bestellungen. Zwei Artikel in einem Versand kosten dich einmal Versand und einmal Zahlungsgebühr.
- Wiederkehrende Käufer schlagen Neukunden. Die zweite Bestellung kostet dich keine Werbung.
- Ein Shop mit wenigen Artikeln und klarer Nische verkauft besser als ein Sortiment, das gegen große Anbieter antritt. Beim Preisvergleich gewinnst du nicht.
Wann wir von einem Shop abraten: wenn das Sortiment aus wenigen, erklärungsbedürftigen Positionen besteht, die ohnehin ein Gespräch brauchen. Dann bringt eine gute Anfragestrecke mehr Aufträge als eine Kasse, und sie kostet einen Bruchteil. Wenn du den Shop willst, steht der Ablauf auf unserer Seite Onlineshop erstellen lassen.

Fachlich verantwortet von
Christopher Kienzl
Gründer von Kienzl Media, 14+ Jahre Erfahrung im Bereich Webdesign und Frontend. Die Ratgeber erklären die Grundlagen so, wie wir sie im Projekt selbst anwenden.
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